Palazzo Fantoni Bononi

Palazzo Fantoni Bononi

Das Museum der Geschichte der Druckkunst in Fivizzano „Jacopo da Fivizzano” befindet sich im Palazzo Fantoni Bononi. Das Museum widmet sich den Aktivitäten des Druckers Jacopo da Fivizzano, ein Pionier der modernen Druckerei mit beweglichen Lettern. Er war einer der ersten Drucker weltweit.
Warum ein Museum der Druckkunst in Fivizzano?
Das Museum „Jacopo da Fivizzano” ist eine Hommage und lässt den Besucher in die Geschichte von Fivizzano eintauchen, in einen Traum, den die Brüder Bononi (Loris Jacopo und Eugenio) für Jahre verfolgt haben. Er bestand daraus, eine Dauerausstellung mit den ersten Büchern, die in Italien gedruckt wurden (um 1470 herum) zu schaffen. Hierzu zählen einige Wiegendrucke, die in Fivizzano und in Venedig vom Drucker Jacopo di Fivizzano gemacht wurden. Es sind die Anfänge der Druckerei mit beweglichen Lettern „ars artificialiter scribendi“.
Das „Athen“ von Lunigiana, wie Fivizzano aufgrund seiner Kultur in den letzten Jahrhunderten genannt wurde darf sich rühmen der Geburtsort von einem außergewöhnlichen Mann und einem besonderen Ereignis zu sein. Die Physiognomie des Druckers von Fivizzano, welche man von seiner Schriftart seiner ersten Werke ableiten kann, weisen auf einen Pionier hin, einen der in den ersten Druckereien von Venedig gearbeitet hat. Die Schriftart, die Jacopo di Fivizzano für den Druck seiner ersten fünf Wiegendrucke verwendet, kommt direkt aus dem Büro von Clemente aus Padua, der als erster italienischer Drucker angesehen wird. Das typographische Schaffen von Jacopo di Fivizzano wird in zwei Phasen eingeteilt: Die erste Phase in Fivizzano (1471-1474) und die zweite venezianische Phase (1476-1477).
Die “Mission” des Museums der Geschichte der Druckkunst
Dank des Druckbetriebs entstand In Fivizzano eine kulturelle Blüte. Im 16. Jahrhundert zählte man 86 Studierte, die hier lebten. Im Studio Pisano und anderen lehrten die Vasoli, die Talentoni, die Battini, die Fantoni. Im Gericht der Toskana und anderen damaligen Staaten waren die Fantoni, die Vasoli (Asciano), die Cavalcani, die Sarteschi und die Grandetti aufgrund ihrer Bildungsstandes besonders bekannt.

Der Museumsstandort wurde ein Bezugspunkt für Kulturliebhaber, vor allem da Fivizzano eine wahrhaftige Hauptstadt des Buches und der Druckkunst ist und somit auch der schriftlichen Kommunikation und des Wortes, im digitalen Zeitalter. Äußerst talentierte Männer begannen in Fivizzano mit beweglichen Lettern und zwischen dem Geruch nach Staub, Papier und Druckerfarbe, klassische griechische und lateinische sowie juristische und philosophische Werke zu drucken. Bereits im Jahre 1471 druckte Jacopo di Fivizzano hier zum ersten Mal!
Für die Liebe zum Buch, für die Liebe zum Wort!

Im Museum kann der Besucher das außergewöhnliche Sein und Tun von Jacopo kennenlernen. Er druckte mit den ersten beweglichen italienischen Lettern Bücher und war somit vielen europäischen (Haupt-) städten voraus. Das Museum widmet sich der Erfindung eines Vorläufers der Schreibmaschine, der wie eine moderne Schreibmaschine drucken konnte. Agostino Fantoni aus Fivizzano stellte diese her. Außerdem wird die einmalige Arbeit von Emanuele Maucci aus Lunigiana vorgestellt, der ein eigenes Verlagshaus in Barcelona mit Filialen in Mexico und Argentinien gründete. Hier wurden bis zu 25.000 Bücher pro Woche gedruckt und so konnte sich in ganz Lateinamerika europäische Literatur und Kultur verbreiten. Eine Typografie erinnert an die glorreiche Typografie Bartoli & C., welche jahrzehntelang im Laufe des 19. Jahrhunderts in Fivizzano verwendet wurde und ein weiterer Beweis für den außergewöhnlichen Beitrag an der Schriftkultur aus Fivizzano ist.

Diese und weitere Zeugnisse sind im Museum der Druckkunst von Fivizzano zu finden. Das Museum ist gerade heute, im digitalen Zeitalter, zwischen den am besten versteckten und intaktesten Orten in Italien, eine Hommage an die Ursprünge, an die Vergangenheit, die Geschichte des Buches. Gleichzeitig wird hier versucht, den Ruhm des Buches auf konkreter und metaphorischer Art zu bewahren und wertzuschätzen.
Der Museumsrundgang:
a) Im Erdgeschoss des Palazzo Fantoni Bononi
Im ersten und zweiten Saal werden Wiegendrucke, Bücher, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gedruckt und dann manuell fertiggestellt und mit Zeichnungen und Initialien verziert wurden, ausgestellt. Es sind Ikonografien der damaligen Epoche zu sehen, Holzinstrumente für das Drucken wie Druckmaschinen, Pressen und Buchzwingen.
Im dritten Ausstellungsraum sind originalgetreu die Maschinen und notwendigen Komponenten einer damaligen Druckerei aufgebaut. Zu sehen sind außerdem bewegliche Bleilettern, welche die Arbeit von Jacopo di Fivizzano ausmachen sowie Holzlettern, die vor der Einführung der Legierung der Lettern benutzt wurden.
Der folgende, vierte Saal ist historisch von großer Bedeutung, denn hier wurde der Dichter Giovanni Fantoni geboren und starb ebenfalls hier. In der literarischen Strömung Arcadia trug er den Namen „Labindo Arsinoetico“. Giovanni Fantoni war ein heldenhafter Jakobiner, der Beziehungen und Briefkontakt mit seinen Zeitgenossen wie Vittorio Alfieri hielt, der ihn „Orazio Etrusco“ nannte. Hier sind viele Oden und Gedichte von Labindo zu lesen und ein Originalbrief, den Vittorio Alfieri ihm im Jahre 1792 nach Florenz schrieb und aus dem seine große Bewunderung für den Dichter aus Fivizzani spricht.
Im fünften Ausstellungsraum befinden sich zahlreiche Bücher aus dem Jahre 1892 und Folgejahren, die von Emanuele Maucci, ursprünglich aus Piana di Parana aus Mulazzo (Lunigiana) in Barcelona gedruckt wurden. Diese Bücher, allesamt auf spanischer Sprache, wurden in der „Casa Editorial Maucci“, in Barcelona gedruckt. Hier wurden 25.000 Bücher pro Woche gedruckt, die dann zu Zweigstellen in Madrid, Caracas, Mexico City, Havanna, Buenas Aires und auf den Philippinen gschickt wurden.
Die herausragende Arbeit von Emanuele Maucci, einem globalen Herausgeber, höchstwahrscheinlich der bedeutenste seiner Zeit, hat es geschafft Europa und Lateinamerika durch die Bücher einander näher zu bringen. In Lateinamerika war das Interesse groß, die „alte Welt“ kennenzulernen und zu begreifen.
Der sechste Saal gibt einen anschaulichen Überblick über die Schriftkultur anhand von zahlreichen und verschiedenen Schreibgeräten und maschinen: Von den ersten manuellen bis zu den mechanischen „entwickelten“ Schreibgeräten. Darunter gibt es das mythische Modell, die „lettera 22“ von Olivetti sowie die ersten Computer der ersten Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts. Hier wird die Entstehung einer Schreibmaschine (1802), welche Agostino Fantoni erfand, beschrieben. Es war die erste Schreibmaschine, die so funktionierte wie die modernen Maschinen und im Jahr 1808 von Pellegrino Turri verbessert wurde. Diese innovative und revolutionäre Maschine wurde ursprünglich von Agostino Fantoni hergestellt, um seiner Schwester Anna Carolina Fantoni, die im Laufe ihres Lebens erblindete, die Möglichkeit zu bieten, zu schreiben. Diese Spielerei kann man jedoch als Vorläufer der Braille-Methode bezeichnen. Kopien von den Briefen, welche Anna mit der Maschine schrieb sind im Museum ausgestellt und die Originale befinden sich im Archiv von Massa und Regio Emilia.
b) Die erste Etage vom Palazzo Fantoni Bononi
Hier kann der Besucher die Zimmer sowie den Ehrensaal, wo am 16. Juli 1848, der Großherzog der Toskana, Leopold II., der Stadt Fivizzano den Ehrentitel città nobile verlieh.
c) Die zweite Etage vom Palazzo Fantoni Bononi
Man erhält Einblick in die Geschichte des freien Kulturzentrums des 16. Jahrhunderts, der sogenannten „Accademia degli Imperfetti“ (Akademie der Unperfekten). Nach Satzung und säkularer Tradition hatte die Akademie das Hauptanliegen Wissen zu sammeln mit dem Grundprinzip, dass gerade das Unperfektsein die Menschheit eint.
Didaktische Angebote
Die didaktischen Möglichkeiten und Angebote (auf Anfrage):
1. Es besteht die Möglichkeit für Schüler Objekte, Logos, Lesezeichen, Karten, Papiere mit typographischen Werkzeugen und beweglichen Lettern manuell zu gestalten.
2. Außerdem können die Schüler die Technik des Büchereinbindens mit Hilfe von Spezialisten kennenlernen.
Allgemeine Informationen:
Das Museum der Druckkunst Jacopo da Fivizzano befindet sich in Fivizzano in der Nähe des Palazzo Fantoni Bononi, in der Via Labindo 5. Es ist in erster Linie ein Museum, jedoch stehen auch didaktische Angebote für Schulen zur Verfügung.

Palazzo Fantoni Bononi, Via Labindo 6, 54013 Fivizzano – Tel.: +39 0585 942152
Email: info@comune.fivizzano.ms.it – Kostenpflichtiger Eintritt
Internetseite: www.comune.fivizzano.ms.it

Anfahrt: 
Mit dem Auto: Autobahn A15 (Parma – La Spezia): Ausfahrt an der Mautstelle: Aulla, weiter auf der B 63 von Cerreto.
Mit dem Zug: Zuglinie La Spezia-Parma, Halt: Aulla. In Aulla gibt es einen Busbahnhof mit verschiedenen Linien, die wichtige Städte in der Region Lunigiana verbinden.
Mit dem Flugzeug: Der nächst gelegene Flughafen ist der Internationale Flughafen „Galileo Galilei“ von Pisa . Informationen zu den Flügen: 050-849300 Internetseite: www.pisa-airport.com
ACHTUNG
Ein Besuch des Museums ist nur auf Anfrage möglich.
Zu bestimmten Zeiten im Jahr gibt es reguläre Öffnungszeiten
Bitte kontaktieren Sie bei Interesse immer:
info@comune. fivizzano.ms.it
Tel. 0585/942152 (Francesco Leonardi)
Fax 0585/942144