Lavoro-stazioneWarum in Monzone ein Museum der Arbeit?
Das Valle del Lucido und das historisch wichtige Zentrum Monzone waren Zeuge überaus vielfältigen Wirtschaft, besonders im Vergleich zu anderen Orten der Region Lunigiana. Die Marmorförderung, die bedingt bereits in der Antike begann – und die historisch gewachsenen Verbindungen zwischen den Apuanischen Alpen und der See, anfangs Luni, später Avenza und Carrara haben dazu beigetragen, dass diese Region an wirtschaftlicher, politischer und sozialer Wichtigkeit gewinnt. Es entstanden entscheidende Verbindungen zu den „Ländern des Marmors“ – wie Regionen, die von dieser Industrie leben, genannt werden.
Auch in dieser Region lebten die Menschen wie in den Apuanischen Alpen und den Appenninen von der Landwirtschaft und der Viehzucht. Im 19. Jahrhundert wurde vermehrt Marmor in den Abbaugebieten für wichtige Industrie-Nationen gefördert, so wie es auf dem Berg von Carrara passierte.
Ausländische Unternehmen wie die Walton, Good and Cripps und Equi Valley Marble waren stark daran interessiert, die Marmorvorkommen zu fördern und so entstanden Steinbrüche, Sägewerke im Valle del Lucido und besonders in Monzone.


Neben den Steinbrüchen und der verarbeitenden Industrie entstand ein ganz neues Arbeitsnetzwerk und eine Infrastruktur, vor allem für den Transport von Marmor. Hierunter sticht manches besonders hervor wie die Schwebebahn, die den Marmor von den Steinbrüchen vom Monte Sagro bis Campocecina transportierte und dabei die Schlucht von Balzone überwand, so dass die riesigen Marmorblöcke bis zur Straße von Vinca und nach Monzone gebracht wurden. Auch die Zugverbindung von Aulla nach Lucca war dazu gedacht, den Marmor zu transportieren. Neben der Marmorindustrie sind weitere Arbeitsfelder entstanden: Ziegelbrennereien, Kalkbrennereien und Wasserkraftwerke, die gebraucht werden für die hiesige Industrie. Es entstanden des weiteren Steinbrüche für anderes steinernes Material wie Quarzite. All diese Geschehnisse haben das soziale und kulturelle Gefüge ins Wanken gebracht und die Verhältnisse zwischen den Bewohnern des Tals, die erst Hirten und Bauern und dann Arbeiter in der modernen Industrie wurden, verändert.


Dies brachte natürlich einige Probleme mit sich und es tauchten neue soziale Phänomene aufgrund der neuen industriellen Lage auf: es entstand eine starke gewerkschaftliche Organisierung und Politisierung der Arbeiter, aus welchen Spannungen, Streitereien, Streike und Kundgebungen sowie eine bis dato in den restlichen Gebieten von Lunigiana unbekannte Auseinandersetzung zwischen den Menschen und anderen Interessensvertretern hervorgingen. Denn hier waren die meisten weiterhin Bauern.


Das Anliegen des Museum der Arbeit

Die „Mission“ des Museums im Valle del Lucido ist die Dokumentation, Rekonstruktion und Wertschätzung der spezifischen und einzigartigen modernen Geschichte im Valle del Lucido und in Monzone. Hier sind die dringenden Anliegen der Industrie und Archäologie sehr präsent in der Struktur der Stadt. Es geht beim Museumsbesuch um folgende Fragen: Wie viel erzählen die Sägewerke, die Kraftwerke, die Kanalisation des Wassers, die verlassenen Steinbrüche, die verschiedenen Industrien und die Öfen uns von der Vergangenheit?
Bei dem Rundgang, der gerade entwickelt wird geht es um archäologische und industrielle Aspekte. Der Rundgang gibt anhand einer didaktische Route und der Besichtigung der Orte der verarbeitenden Insutriezweige einen tiefen Einblick in die Eigenschaften und Phänomene, die im Valle del Lucido aufgekommen sind, und wie sie sich entwickelt haben.
Anhand von Rekonstruktionen soll den Besuchern die Möglichkeit gegeben werden, sich in die jeweilige Zeit hinein zu versetzen und die Auseinandersetzung nachzuvollziehen, auch hinsichtlich der Zusammenstöße im Valle del Lucido. Hierbei geht es um einen Zeitraum vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Aufkommen des Faschismus und weiteres. Es geht darum, die besondere persönliche Identität der Bewohner darzustellen und somit eine Idee zu bekommen über einen wichtigen Teil dieser Region.
Das Museum stellt einen wertvollen Pluspunkt des Ökomuseums von Lunigiana dar.


Der Ausstellungsrundgang
Der Rundgang beginnt im ersten Raum (Titel: Per millenni pastori e contadini / Jahrtausende lang Hirten und Bauern) werden die wirtschaftlichen Tätigkeiten vor der Industrialisierung mithilfe von Fotografien, Zeichnungen und kleinen Modellen dargestellt. Im zweiten Ausstellungsraum (Titel: Poi cavatori / Später Steinhauer) begegnet der Besucher der ersten Phase der Industrialisierung. Die Themen sind: die ersten Steinbrüche mit Marmor oder Quarziten, die Seilbahn sowie die Entstehung der Arbeiterkultur, welche die damalige Gesellschaft entscheidend veränderte.
Der dritte Raum (Titel: Con ingegno e con fierezza / Mit Genie und Stolz) widmet sich dem Menschen und seinem Talent sich zu verbinden, zu bauen und Werkzeuge herzustellen bis im großen Maßstab. Mithilfe eines Modelles der Seilbahn von Balzone und einer Dokumentation der Eisenbahnstrecke wird didaktisch vermittelt, wie geniale Werke in der aktivsten und produktivsten Phase in dem Valle del Lucido entstanden. Hier werden auch die sozialen, politischen, religiösen Beziehungen sowie die spielerischen Begegnungen zwischen Männern und Frauen zur damaligen Zeit veranschaulicht.


Der vierte Ausstellungsraum (Titel: La Memoria del lavoro/ das Gedächtnis der Arbeit) ist für kleinere kulturelle Zusammentreffen sowie Vorführungen von audiovisuellem Material konzipiert. Hier kommen die Überlebenden (die Älteren) zu Wort und der Besucher hat die Möglichkeit in damalige Zeitungen, Musikstücke, Lieder und Stimmen der Gewerkschaftswelt, sozialistische, populäre, katholische und kommunistische Standpunkte einzutauchen. Dies ist aufgrund der so speziellen politischen Auseinandersetzungen in der Region Lunigiana besonders interessant. Von hohem Wert ist die Wiedergewinnung des Filmes „La catena dell’odio“ mit der Schauspielerin Ursula Andress als Hauptdarstellerin. Ein Schwarzweißfilm, der in den Abbaugruben mit den dortigen Arbeitern gedreht wurde. Der Film, vom Regisseur Paolo Costa aus dem Jahr 1953, erzählt meisterhaft vom damaligen Leben, den Gefahren und den Schwierigkeiten, die beim Arbeiten in den Abbaugruben auftraten. Somit stellt der Film ein wertvolles historisches, soziales und anthropologisches Zeitdokument des Valle del Lucido dar. In diesem letzten Raum befindet sich die Datenbank zum Thema Arbeit und hier werden Dokumentarfilme, audiovisuelle Zeugnisse, Fotografien, CDs und DVDs zum Thema Arbeit gesammelt.


Die didaktischen Mittel
Die Vermittlungswege sind sehr vielfältig:
1. Die Objekte mit besonderer Symbolkraft und aussagekräftig zum Thema Arbeit auf dem Land und in der Industrie.
2. Fotografien und Plakatleinwände in schwarz-weiß zu den Eigenschaften der Arbeit aus dem Archiv des wichtigen Fotografen Ilario Bessi aus Carrara und dem Archiv Oreste Orlandini aus Monzone und dem Fotoarchiv „Giovanni Gargiolli“ aus der Stadtbibliothek aus Fivizzano
3. Modelle der Seilbahn von Balzone, die sich z.T. bewegen, sowie von Maschinen, Fabriken und Produktionsprozessen
4. Das gesamte audiovisuelle Material auf DVD und CD sowie digitale Medienträger
5. Die Geräuschkulissen in einigen Räumen vermitteln konkrete Eindrücke wie beispielsweise die Geräusche der Sägewerke, der vorbeifahrenden Züge usw.
6. Die Ausstellungsrundgänge entlang der didaktischen und allgemein verständlichen Paneele

Das Museum befindet sich vorübergehend in der Nähe des Museums der Höhlen in Equi Terme.
Hier finden Sie die aktuellen Öffnungszeiten: www.grottediequi.it/visite-e-tariffe/
Information : info@comune.fivizzano.ms.it – 
altereco@lunigianasostenibile.it
Tel. 0585/942152 (Francesco Leonardi) 338 5814482 (AlterEco) – Kostenpflichtiger Eintritt mit einem Ticket, gültig auch für die Höhlen von Equi terme.

Internetseite: www.grottediequi.it

www.comune.fivizzano.ms.it

Das Museum der Arbeit „Ilario Bessi“ im Valle del Lucido entstand im Bahnhofsgebäude in Monzone. Zurzeit befindet sich das Museum in der Nähe des Museums der Höhlen in Equi Terme.

Das Museum widmet sich dem Werk des großartigen Fotografen Ilario Bessi aus Carrara, der sich mit der Geschichte in Lunigiana auseinandersetzte.